2021-05-26

Waisenkind begeht nach Verhör Selbstmord; Anwälte von Roman Protasewitsch und Sofia Sapega dürfen ihre Mandanten nicht besuchen; Einsatzkräfte halten Verwandten entkommener Journalistin als Geisel fest

26. Mai 2021 | Voice of Belarus
Die Reaktion des Künstlers Uladsimir Zesler auf die neuesten Ereignisse in Belarus.
Source: facebook.com/vtsesler

Waisenkind begeht nach dem Verhör Selbstmord

Dsmitry Stachouski.
Source: Viasna Human Rights Centre 

Dsmitry Stachouski, 17 (laut Untersuchungskomitee 18), der wegen Ausschreitungen während der Proteste im August 2020 vor Gericht stand, beging in Minsk Selbstmord. Am Nachmittag des 25. Mai, wenige Stunden vor seinem Selbstmord, wurde Stachouski in diesem Fall verhört.

 In seinem Abschiedsbrief machte er das Untersuchungskomitee für seinen Tod verantwortlich und beklagte sich über den Druck der Strafverfolgungsbehörden, woraufhin er sich zu dieser „schrecklichen Tat“ entschloss. Nach Aussage seiner Freunde nahm der Verstorbene an Kundgebungen teil, unternahm jedoch nichts Illegales, war eine sehr gute freundliche Person und verdiente als Programmierer gutes Geld.

Anwälte dürfen Roman Protasewitsch und Sofia Sapega nicht besuchen

Source: BBC News Russian

Die Anwältin von Roman Protasewitsch, Inesa Alenskaja, versucht seit zwei Tagen, zu ihrem Mandanten zu gelangen. Aber sie wird nicht in die Haftanstalt eingelassen, obwohl das Recht auf Verteidigung von der Verfassung (Art. 62) garantiert wird und nicht von den Ermittlungsbehörden oder der Verwaltung der Haftanstalt eingeschränkt werden kann. Zuerst gab der Ermittler keine Erlaubnis, und heute stellte sich heraus, dass Protasewitsch nicht in der Untersuchungshaftanstalt Nr. 1 ist, obwohl in einem der Pro-Regierungs-Telegram-Kanäle ein Video veröffentlicht wurde, in dem Roman sagte, dass er dort sei.

Protasewitschs Kollege, der Gründer des Oppositionskanals „Nexta“ Szjapan Puzila sagte der BBC News Russian, dass „Roman in größerer Gefahr ist als andere politische Gefangene in Belarus. Er ist Lukaschenkos persönlicher Feind“.

Sofia Sapegas Anwalt konnte sich heute auch nicht mit der Mandantin treffen. Morgen wird ein weiterer Versuch unternommen.

Die Sicherheitskräfte halten Verwandten entkommener Journalistin als Geisel

Aryna Malinouskaja.
Source: BELSAT

Aryna Malinouskaja, Moderatorin der Sendung „Ehrlich gesagt“ des Fernsehsenders „Belsat“, verließ Belarus, nachdem Strafverfolgungsbeamte die Darsteller ihrer Sendung und andere Journalisten des Fernsehsenders „Belsat“ festgenommen hatten. Nachdem Malinouskaja Belarus verlassen hatte, erhielt sie einen Anruf vom Ehemann ihrer Schwester, der sie darüber informierte, dass ihr Verwandter festgenommen worden war und dass ihre Großeltern möglicherweise bald festgenommen werden würden. Der „Gesetzeshüter“ sagte, dass sie erst freigelassen werden, wenn Malinouskaja selbst auf die Polizeiwache kommt. Die Inhaftierung wurde vom Ehemann der Schwester, Waljanzin Kutscharenka, bestätigt und darauf hingewiesen, dass er ständig gefragt wurde, wann sie denn kommen könne und dass sie bis dahin „weder uns noch ihre Eltern und die Familie in Ruhe lassen würden“. Daher bemühen sich die Behörden um die Rückkehr von Aryna. Bis jetzt hat sie keine Verbindung zu ihren Verwandten.

Die EASA empfiehlt allen Fluggesellschaften, den belarusischen Luftraum zu meiden

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) empfiehlt Betreibern, Belarus zu umfliegen und nur in extremen Fällen in den dortigen Luftraum einzudringen, „um die Sicherheit im Falle unvorhergesehener Umstände zu gewährleisten“. Die EASA stellt fest, dass die Umstände des Vorfalls mit dem Ryanair-Flugzeug am 23. Mai 2021 „ernsthafte Zweifel an der Einhaltung der internationalen Vorschriften für die Zivilluftfahrt durch Belarus aufkommen lassen“.